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Endlich Aufbruch! Endlich Zuversicht! So hat ein Teilnehmer, der bisher alle zwölf SZ-Wirtschaftsgipfel erlebt hat, das Treffen im Jahr 2018 zusammengefasst.

Highlights

Wieder waren 450 Entscheider zum SZ-Wirtschaftsgipfel zusammengekommen, um mitten in der Hauptstadt, im Hotel Adlon am Brandenburger Tor, im Deutschen Historischen Museum und der Factory, drei Tage lang mit mehr als 60 hochkarätigen Referentinnen und Referenten die Welt von heute zu vermessen.

Auf der Bühne sprachen die Vorstandschefs von deutschen Konzernen, darunter Christian Sewing von der Deutschen Bank oder Joe Kaeser von Siemens, aber auch internationale Konzernlenker wie Sir Tim Clark (Emirates), Gillian Tans (Booking.com) und Thomas Buberl (Axa), namhafte Ökonomen wie Achim Wambach und Christoph Schmidt und führende Philosophen wie Markus Gabriel oder Julian Nida-Rümelin.

Daneben kamen im Jahr 2018 so viele namhafte Politiker wie noch nie: von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bis hin zu Bundekanzlerin Angela Merkel und vier Mitgliedern des Bundeskabinetts, den Ministern Peter Altmaier (Wirtschaft), Andreas Scheuer (Verkehr) und Olaf Scholz (Finanzen) sowie der digitalen Staatsministerin Dorothee Bär. Insgesamt sprachen fünf Staats- und Regierungschefs auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel, vier davon Frauen: Neben Merkel waren dies die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarović, die isländische Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttirund und die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabić. Auch die Parteichefs von zwei Oppositionsparteien in Deutschland, Christian Lindner (FDP) und Katja Kipping (Die Linke), stellten sich den Fragen auf der Adlon-Bühne.

Der SZ-Wirtschaftsgipfel ist, so wie in den Jahren zuvor, noch jünger und noch digitaler geworden. So bereicherten die Gründer von zahlreichen erfolgreichen Start-ups die Diskussion, darunter Frederik Brantner von Magazino, Günther Schuh von E.go mobile oder Miriam Wohlfarth von Ratepay. Auch drei Roboter standen auf der Bühne, an denen sich wunderbar erklären ließ, wie sich unser Leben und Arbeiten in Zukunft durch Maschinen verändern wird - und warum sie den Mensch in sehr vielen Fällen nicht verdrängen, sondern unterstützen und mit ihm zusammenarbeiten werden. Toru vom Münchner Start-up Magazino, David vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) und i-do vom Augsburger Roboterbauer Kuka wurden mit viel Aufwand ins Hotel Adlon gebracht und gehörten zweifellos zu den Stars des SZ-Wirtschaftsgipfels.

„Vertrauen schaffen“ war das Motto der diesjährigen Veranstaltung, und das bezog sich auf die mit Händen zu greifende Verunsicherung im Land angesichts von politischem Mehltau nach 13 Jahren mit Merkel-Regierungen, auf die wachsende Spaltung der Gesellschaft in Vermögende und Nichtvermögende, normale Arbeitnehmer und Kapitalbesitzer, Festangestellte und Jobhopper. „Vertrauen schaffen“, das sei ja mal ein überraschendes Motto für ein von Journalisten organisiertes Treffen, hatte Angela Merkel zu Beginn ihrer Rede beiläufig angemerkt, wo doch Journalisten die Welt eher misstrauisch betrachteten.

Die Kanzlerin selbst war vornedran, als es darum ging, einen neuen Ton zu setzen. Bei der „Nacht der Europäischen Wirtschaft“ im Deutschen Historischen Museum, dem festlichen Höhepunkt des Kongresses, erlebten die 450 Gipfelteilnehmer sie locker wie selten, nachdenklich und humorvoll, aber auch: weise. Der angekündigte Rückzug in Etappen hat Angela Merkel, sonst so kontrolliert und emotionsarm wirkende Politikerin, locker werden lassen; der begeisterte Zuspruch des sonst so kritischen Publikums zeigte: Es war für alle eine Erlösung.

Eine kleine Ankündigung, nach 18 Jahren den Parteivorsitz der größten Volkspartei in Deutschland abzugeben, der Wettstreit von drei Nachfolge-Kandidatinnen und Kandidaten erfreut nicht nur die Journalisten, sondern die Öffentlichkeit insgesamt. Endlich wird wieder diskutiert, nicht nur über Personen, auch über Inhalte. Eine aus dem Trio, Annegret Kramp-Karrenbauer, stellte sich spontan einem Kreuzverhör auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel – und setzte sich dabei in Fragen der Migration, der Steuer- oder der Industriepolitik dezent von der Kanzlerin ab. Im vorigen Jahr hatte bereits Friedrich Merz auf der Wirtschaftsgipfel-Bühne gesessen - und schon damals durchblicken lassen, dass er zu einer Rückkehr in die Politik bereit ist.

Die Debatte kommt zur rechten Zeit. Zwar geht es Deutschland nicht schlecht, auch wenn das gerne behauptet wird. Vertreter von etablierten Unternehmen und Start-ups, Wissenschaft und auch der Arbeitnehmer stellten beim SZ-Wirtschaftsgipfel klar, dass der lange Aufschwung dem Land insgesamt gut getan hat. Es ist aber auch klar, dass es nicht so bleiben wird und Globalisierung und Digitalisierung die so erfolgreiche deutsche Wirtschaft auf das Schärfste herausfordern werden.

Die gute Nachricht aber lautet: Politik und Wirtschaft haben das verstanden. Die zweitägige Sonderklausur der Bundesregierung direkt im Anschluss an den SZ-Wirtschaftsgipfel zur Frage, wie der Staat auf die Herausforderung der digitalen Revolution reagieren muss, mag nur ein unvollkommener Anfang gewesen sein, aber sie war immerhin das: ein Anfang. Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, hatte ihn auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel ebenso versprochen wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Dass man Dinge verändern kann, wenn man es nur will, zeigten unter dem Titel „Europa digital“ die Regierungschefs von Estland, Serbien und Island, zwei Frauen, ein Mann – Vertreter aus kleinen, aber unglaublich dynamischen Staaten. Ihre Rezepte zur Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und zur Veränderung der Rahmenbedingungen können in einer so großen Gesellschaft wie der deutschen nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Aber vielleicht bis übermorgen?

Am Ende, das war die Lehre des Auftritts von Ana Brnabić, Katrín Jakobsdóttir und Jüri Ratas, kommt es auf die richtige Führung an, auf eine Vision, auf eine klare Botschaft, die den Bürgern den Weg weist. Die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabić fasste diese Vision in einen Satz: "Wir haben in unserem Land die dritte industrielle Revolution verpasst, deshalb wollen wir nun bei der vierten industriellen Revolution weit vorne sein."

Einen anderen Blick auf dies Welt der Führung warfen beim Talk-Abend, der am ersten Kongresstag im Hotel Adlon stattfand, drei Frauen, die sich normalerweise nicht mit Wirtschaft beschäftigen: die Filmproduzentin Lisa Blumenberg, die die großartige ZDF-Serie "Bad Banks" geschaffen hat, die Kanutin Birgit Fischer, die Deutschlands erfolgreichste Olympionikin ist, und die Entertainerin Ina Müller, die durch ihre Bühnenauftritte und ihre eigene TV-Show bekannt ist. Das Plädoyer der drei Power-Frauen: Man muss auch mal Pause machen, wenn man als Führungskraft erfolgreich sein will. Oder wie es die Kanutin Birgit Fischer formulierte: "Der Muskel braucht auch mal eine Pause."

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