Der Gipfelstürmer-Wettbewerb findet aufgrund der aktuellen Lage in diesem Jahr leider nicht statt.

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Die SZ begleitet den Wettbewerb der letzten Jahre mit Porträts von Gründerinnen & Gründern sowie Gründerregionen jenseits der Metropolen:

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Ansprechpartnerin rund um
die SZ-Gipfelstürmer

Elisabeth Dostert
Wirtschaftsredaktion Süddeutsche Zeitung

gipfelstuermer@sz-wirtschaftsgipfel.de

 

Gewinner 2019

Ava Information Systems

Die Geschichte von Ava Information Systems beginnt in Austin. 2014 besuchte Aleksandar Stojanovic dort ein Digital-Event und wurde eines Abends Zeuge einer wilden Verfolgungsjagd, an deren Ende viele Menschen starben. Erst zurück in Deutschland wurde Stojanovic und seinem Mitgründer Sascha Knopp klar, dass es am scheinbar vernetztesten Ort der Welt keine Echtzeit-Informationen über die Gefahren gegeben hatte, über die Menschen hätten gewarnt werden können. Drei Jahre arbeiten sie an einer Lösung. Ava sei so etwas wie eine Wettervorsage, nur nicht für Sonne und Regen, sondern für die persönliche und öffentliche Sicherheit. Eine künstliche Intelligenz führt Daten aus sehr vielen Quellen zusammen und ermittelt daraus das Risiko für Kriminalität, Terrorismus, Naturgewalten, Gesundheit und vieles mehr. Auf Basis des Risikoprofils eines Ortes können dann beispielsweise autonome Fahrzeuge ihre Besitzer warnen, wenn sie in einer gefährlichen Gegend parken oder Smart Home Systeme schon mal die Rollläden schließen, wenn in der Nachbarschaft Gefahren drohen.

Finalisten 2019

Kinexon

Die Liste der Kunden kann sich schon mal sehen lassen: BMW, Zalando und Continental vernetzen mit der Hard- und Software des Start-ups Kinexon ihre Menschen, Produktionsgüter, Maschinen und Werkzeuge. Alexander Hüttenbrink und Oliver Trinchera haben die Firma 2015 gegründet. Die Idee kam ihnen bei Firmenbesichtigungen. Da flogen ihnen Begriffe wie Industrie 4.0 und Smart Factory um die Ohren, doch die Fertigung, die sie sahen, war weit davon entfernt, sich selbst zu organisieren. Die Prozesse waren starr und liefen innerhalb silo-artiger IT-Strukturen ab. Die Frage, die sich aufdrängte war, wie sich alle Dinge und Akteure so miteinander vernetzen lassen, dass sie miteinander kommunizieren, erinnert sich Trinchera: „Wir hatten das Bild eines Art Nebels vor Augen, der sich über die gesamte Anlage legt und intelligent und in Echtzeit alle Prozesse effizienter steuert, als es der Mensch jemals können wird.“ Von Beginn an setzte Kinexon auf Ultrabreitband-Sensoren. Ihre Hard- und Software bildet die reale, haptische Welt in einem digitalen Zwilling ab.

Kumovis

Angefangen hat alles an der TU München mit Kleinserien aus Kunststoff. Das ist schon vier Jahre her. Mittlerweile stehen die Modelle des 3D-Druckers von Kumovis beim Kunden. Auf ihnen lassen sich in dem im Drucker integrierten Reinraum Produkte aus Hochleistungspolymeren herstellen, die genau auf den Patienten angepasst sind, zum Beispiel individuelle Implantate. In einer sterilen Glaskammer trägt der Druckkopf Schicht für Schicht des bei bis zu 400 Grad aufgeschmolzenen Kunststoffs auf. Währenddessen umströmt heiße Luft das Bauteil. „Unsere 3-D-Drucker sind wie Backöfen“, sagt Miriam Haerst, promovierte Maschinenbauingenieurin. Der Luftstrom sorgt für einen guten Verbund zwischen den einzelnen Schichten und hält Keime und Partikel ab. Gemeinsam mit Stefan Leonhardt, Stefan Fischer, Sebastian Pammer und Alexander Henhammer hat Haerst die Firma 2017 gegründet. Der Druck im OP ist noch ein Traum. „Ein Anfang wäre, Implantate in Krankenhausnähe zu fertigen statt in weit entfernten Laboren“, sagt Haerst.

Inveox

Oft basieren Start-ups auf Erlebnissen und Erfahrungen. So ist das auch bei den Gründern des Medizintechnik-Unternehmens Inveox aus München. Die Wirtschaftsingenieurin Maria Sievert erfuhr eher zufällig bei einem Austauschprogramm in Arkansas, wie oft Gewebeproben vertauscht werden. In der Folge kommt es zu falschen Diagnosen und Behandlungen. Der Molekularbiotechnologe Dominik Sievert wurde durch die Krebserkrankung seines Großvaters damit konfrontiert. Gemeinsam will das Paar Pathologielabore digitalisieren, automatisieren und zuverlässiger machen. In drei Finanzierungsrunden hat das Start-up aus München mehr als 20 Millionen Euro eingesammelt. Das System von Inveox besteht aus drei Komponenten: einem mit einem eindeutigen Code versehenen Behälter für die Gewebeproben – bislang werden Proben mehrfach umgepackt und manuell beschriftet, einem Automaten für den Probeneingang und die AI-gestützte Registrierung der Proben und einer Plattform zur Datenübertragung und Kommunikation zwischen Labor und behandelndem Arzt.

PairFinance

Firmen, die Schulden eintreiben, genießen nicht gerade das beste Image, weil sie die säumigen Kunden unter Druck setzen. Von dieser „Drohkulisse“ will Stephan Stricker weg. Er ist Gründer des Berliner Fintechs Pair Finance. Auf der Grundlage moderner Verhaltensforschung, künstlicher Intelligenz und öffentlich verfügbarer digitaler Daten will das Start-ups Schuldner individueller ansprechen über E-Mails, Messenger-Dienste oder SMS. Die Nachricht enthält einen Link, über den der Kunde seine offenen Forderungen begleichen kann. Die Generation der Online-Kunden sei es gewohnt, per Klick und ohne Medienbruch Ware und Dienstleistungen im Internet zu bestellen. Warum also nicht auch offene Forderungen digital begleichen? Pair Finance sieht sich selbst als Antwort auf die Frage. Das Start-ups ist einer der vielen Abkömmlinge des Company Builders Finleap. Laut Pair Finance nutzen bereits mehr als 200 Unternehmen den Service. Die Konkurrenz ist nicht gerade klein. Es gibt in Deutschland ein paar Hundert Inkasso-Unternehmen. Aber die fürchtet Pair Finance nicht.

Social Bee

Eigentlich wollte Zarah Bruhn Investmentbankerin werden. Dann erkannte sie, dass in Menschen sehr viel mehr Potenzial steckt als in Bankgeschäften und gründete 2016 mit Maximilian Felsner Social Bee. Formal gesehen ist das eine Zeitarbeitsfirma, aber eine gemeinnützige. Sie will Geflüchtete zügig in ein Arbeitsleben und damit in die Gesellschaft bringen. Social Bee zahlt ihnen regelmäßig Lohn und finanziert ein einjähriges Integrationsprogamm, zu dem unter anderem Sprachkurse und Workshops über die Arbeitskultur gehören. Ein Integrationsmanager kümmert sich um private und berufliche Sorgen. Die meisten ihrer Bewerber würden schon an der Bewerbungsmaske einer Firma im Internet scheitern, weil sie anfänglich kein oder kaum Deutsch sprechen und häufig nur gering qualifiziert sind. Ihren Erfolg misst Bruhn an der Übernahmequote. Acht von zehn ihrer Mitarbeiter, die mindestens drei Monate in einer Firma waren, arbeiteten dort anschließend dauerhaft. Mehr als 90 Menschen vermittelte Social Bee bereits einen festen Job.