2009

Rückblick 2009

Highlights

Die Debatten

Die Krise erfolgreich meistern

Wer sind die Täter und wer sind die Opfer in der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten? Was kann und muss der Staat tun, um künftige Krisen zu verhindern? Wie findet die Wirtschaft wieder aus dem Tal heraus – und welche Unternehmen haben es dabei leichter? Dies waren die entscheidenden Fragen, mit denen sich die 250 Teilnehmer des dritten Führungstreffens Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung vom 19. bis 21. November 2009 in Berlin beschäftigten. Die Debatten auf Deutschlands großem Wirtschaftskongress wurden teils sehr emotional geführt – so etwa über die Frage, welche Fehler die Banken vor der Krise, aber auch nach deren Ausbruch gemacht haben.
 
Der Chef des Auto-Zulieferers Bosch, Franz Fehrenbach, bezeichnete die hohen Boni der Banken als „absoluten Skandal”, die der Glaubwürdigkeit aller Manager schadeten. „Wir haben so oft geschwiegen in der Vergangenheit. Ich würde mir wünschen, dass wir bei bestimmten Aussagen laut pfeifen”, sagte er. Man dürfe nicht mehr zulassen, dass eine bestimmte Berufsgruppe „die gesamte soziale Marktwirtschaft an den Boden führt“.
 
Fehrenbach bezog sich auf den Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, der in einer anderen Podiumsrunde gesagt hatte, auch er sei dafür, dass „Polizisten mehr verdienen”. Die Boni richteten sich aber nach Angebot und Nachfrage, und das müsse auch so bleiben. Ingrid Hengster, Deutschland-Chefin der Royal Bank of Scotland meinte zu dieser Debatte: „Das Vertrauen hat gelitten, aber wir müssen jetzt zeigen, dass wir unsere Lektion gelernt haben.”
 
Vertrauen schaffen und vor allem erhalten: Das vermochten trotz der Krise vor allem die Familienunternehmen, die wieder mit namhaften Vertretern den Kongress prägten. Gerade in solch unruhigen Zeiten bewährt sich ihr Modell, das weniger auf eine maximale Rendite, sondern eher auf eine maximale Lebensdauer ihres Unternehmens ausgerichtet ist. „Wir haben immer Geld zurückgelegt, das bewährt sich natürlich in Krisen“, berichtete Alfred Ritter vom Schokoladen-Hersteller Ritter. Das Geld ist für ihn nicht der eigentliche Engpass. „Am Schluss wird das Unternehmen mit den besten Mitarbeitern gewinnen.”
 
Ähnlich sieht dies Dirk Roßmann, der Gründer der Drogerie-Kette Rossmann. „Die Chefs müssen etwas vorleben und dann kommt auch etwas zurück”, sagt er. Roßmann lässt aus Prinzip die Hälfte des Gewinnes in der Firma. Auch Andreas Jacobs vertrat diese Philosophie. Die Familie ist über die Jacobs Holding maßgeblich an Firmen wie dem Kakaohersteller Barry Callebaut, der Sportrechte-Agentur Infront und an Adecco beteiligt. Keineswegs dürfe ein Unternehmen als Selbstbedienungsladen für die Familie missbraucht werden, sagte Jacobs. „Das Unternehmen ist das Unternehmen. Die Familie ist die Familie.“

Die Reden

„Banker risikieren eine ziemlich dicke Lippe“

Im Jahr 2009 wurde das Führungstreffen Wirtschaft erstmals von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet. Sie warnte die Banken eindringlich davor, nach dem Ende der Wirtschaftskrise zur Tagesordnung überzugehen und an frühere Auswüchse anzuknüpfen. Merkel sagte, die Branche müsse aus ihren Fehlern lernen. Sollte sich die Krise wiederholen, könne das gesamte Gesellschaftssystem Schaden nehmen. Obwohl die Krise noch nicht einmal vorbei sei, riskierten manche Bankenvertreter bereits wieder „eine ziemlich dicke Lippe”, sagte sie. Die Manager dürften sich aber nicht darauf verlassen, dass ihnen die Politik noch einmal aus der Bredouille helfen könne. Vielmehr werde irgendwann die gesellschaftliche Mehrheit für solche Rettungsaktionen fehlen. Direkt an die Banker gerichtet, sagte sie: „Um der Stabilität unserer Gesellschaften willen: Lassen Sie uns vernünftig sein.”
 
Ähnliche äußerte sich Oppositionsführer Frank-Walter Steinmeier. Der Chef der SPD-Fraktion im Bundestag sagte, zumindest in Teilen der Finanzindustrie sei „die Goldgräberstimmung, aber auch die alte Schamlosigkeit zurück”. Viele Banker hätten offenbar immer noch nicht verstanden, was sie angerichtet haben. Sollte die nächste Spekulationsblase platzen, werde aus einer „Krise im System eine Krise des Systems”. Dann könne auch die Politik nicht mehr helfen, vielmehr würde die gesamte Demokratie in Gefahr geraten. „Wir haben keinen zweiten Schuss.”
 
Den dritten Kongresstag eröffnete der Theologe und Sozialethiker Friedhelm Hengsbach mit einem Vortrag zum Verhältnis von Wirtschaft und Moral. Verantwortung in Unternehmen, das sei mehr als nur die für den Erfolg, also das Überleben der Firma. Es sei auch Verantwortung für Mitarbeiter, für die Gesellschaft, deren Vorleistungen das Unternehmen schließlich auch in Anspruch nimmt, letztlich auch für die Umwelt. Es ist eine dreidimensionale Verantwortung, die Hengsbach so umriss: „Den Markt im Blick, die Mitarbeiter an der Seite, die Gesellschaft im Rücken.”

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